Vorurteile überwinden: „Der schaurige Schusch“ von Charlotte Habersack

Auf dem Dogglspitz, einem Berg irgendwo im Nirgendwo, leben ein Huhn, ein Hirsch, eine Gans und ein Murmeltier. Auf dem Berg, der höher in den Himmel ragt als jeder andere Berg irgendwo im Nirgendwo, passiert meistens nichts besonders Aufregendes – bis sich eines Tages ein neuer Bewohner ankündigt. Allein der Name (der schaurige Schusch!!!) lässt die Bewohner erschauern. Sie erwarten dessen Ankunft mit Schrecken: Niemand hat den schaurigen Schusch je gesehen und doch haben bereits alle Angst vor ihm und seiner Ankunft. Als der schaurige Schusch dann endlich in sein Haus auf dem Berg einzieht, traut sich niemand, ihn anzusehen geschweige denn zu besuchen – bis auf den fünften Bewohner des Dogglspitz, den Party-Hasen. Er nimmt eines Abends die Einladung des schaurigen Schuschs zu einem ersten Kennenlernen an. Und dann passiert auf dem Berg irgendwo im Nirgendwo etwas Unglaubliches, aber doch eigentlich ganz Natürliches…

Charlotte Habersack leistet mit ihrem Buch einen Beitrag zu einem brandaktuellen Thema, das viele umtreibt und bei dem sich wohl viele fragen, wie sie sich als Bewohner des Dogglspitz` irgendwo im Nirgendwo verhalten hätten oder auch anderen gegenüber zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihrem eigenen Leben schon einmal verhalten haben. Der erwachsene (Vor-)Leser ahnt dabei schon, dass der schaurige Schusch am Ende wahrscheinlich doch nicht so schaurig ist, wie die Charaktere des Buches annehmen. Für Kinder kann es aber zunächst aufregend sein, zu erkennen, was hinter der Figur des ominösen schaurigen Schuschs (wie schön sich das ausspricht!) steckt.

Auch in diesem Buch wird nicht der moralische Zeigefinger à la „Begegne Menschen, die auf den ersten Blick anders sind als du, immer vorurteilsfrei!“ erhoben – im Gegenteil: dem Ende fehlt diese aus Erwachsenensicht pädagogisch wertvolle Moral von der Geschicht` völlig und das ist auch gut so. Sie ergibt sich auf dem Text heraus von selbst, als das Rätsel um den schaurigen Schusch aufgelöst wird und sich auch die großartig gezeichnete Mimik der vier skeptischen Bewohner passend zum versöhnenden Schluss entspannt und die mal wieder großartig von SaBine Büchner gezeichneten Bilder die Spannung auflösen. Das Huhn ist plötzlich nicht mehr scheu, der Hirsch nicht mehr bockig, die Gans nicht mehr garstig und das Murmeltier nicht mehr maulig. Da kann die Party ja losgehen!

Charlotte Habersack (Text)/SaBine Büchner (Illustration) Der schaurige Schusch Ravensburger, 12,99 €

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