Et hätt noch immer jut jejange: „Rolf, der Bücherheld“

Hochwasseralarm!!!!

Durch eine große Stadt mit Dom und großer Karnevalsverbundenheit drängt mit aller Macht das Wasser durch die Straßen. Vom Kirchturm aus können der einsame Küster Rolf und seine Freunde, die Kirchenmäuse, die nahende Gefahr beobachten. Dann klopt es plötzlich an das Portal und ein Gesandter verkündet, dass die große Kirche umgehend zu einem sicheren Zuhause für die Bücher der Stadtbücherei gemacht werden solle. Doch obwohl der Dom unglaublich viel Platz bietet, bedarf es doch einer gewissen „Logistik“, um alle Bücher bestmöglich zu verwahren. Rolf hat den entscheidenden Einfall: Er erfindet eine Büchermaschine! Alle Menschen, die ein Buch benötigen, kommen nun zu ihm und nennen ihre Wünsche. Rolf gibt sie an die fleißigen Kirchenmäuse weiter, die sogleich die knatternde Büchermaschine bedienen. So bleibt kein Wunsch offen und die Menschen erleben trotz allem ein klitzekleines Stück „Normalität“ und Kultur. Doch eines Nachts hört Rolf ein Geräusch und macht sich schon auf Eindringlinge gefasst. Aber dann bekommt er unerwartet Hilfe von einem kleinen Mädchen… Können sie dem Wasser gemeinsam standhalten und die Bücher am Ende sicher wieder in ihr Zuhause bringen?

Die in unterschiedlichsten Blautönen gehaltenen Wassermassen sehen in dieser Geschichte zwar sehr bedrohlich aus, kommen aber dem Dom als Trutzburg in all diesem Chaos nie so wirklich nahe. Das liegt daran, dass „rot und weiss“ (oder besser gesagt „rut un wiess“) auch im übertragenen Sinne die im Buch vorherrschende Farbe ist. Denn als die Bürger:innen zum Schluss in Scharen in den Dom strömen, um die Büchermaschine aus nächster Nähe zu betrachten, vermischen sich alle Farben. Das spiegelt herrlich das fröhliche und lockere Treiben in der fünften Jahreszeit wider, die jedes Jahr in Köln gefeiert wird, Leichtigkeit versprüht und in noch so schwierigen Zeiten Zusammenhalt fördert.

Das Buch ist sehr hochwertig gemacht: Es ist nicht nur haptisch mit seinem tollen Papier und dem in Leinen eingebundenen Buchrücken ein Kunstwerk, sondern auch durch seine aussagekräftigen (teilweise aquarellartigen) Illustrationen.

Es lohnen sich ein oder gerne auch zwei Blicke in diesen außergewöhnlichen Augenschmaus. Er ist nicht nur etwas für jüngere Leser, sondern auch für (heimatverbundene) Erwachsene und glückliche Wahlkölner:innen wie mich. Dass das Buch allerdings in all seinen Facetten schon von Dreijährigen erfasst werden kann (wie vom Verlag ausgeschrieben), denke ich nicht. Bei uns wurde aber herzhaft über die Kirchenmäuse gelacht, laut ein Kölsches Lied gesungen und mitgefiebert, ob der Dom den Wassermassen wohl standhalten wird.

Luisa Jung und Heidi Viherjuuri Rolf, der Bücherheld Kunstanstifter, ab 3 Jahren, erschienen am 29. Januar 2021, ‎978-3942795975

2 Kommentare zu “Et hätt noch immer jut jejange: „Rolf, der Bücherheld“

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