Die etwas andere Gute-Nacht-Geschichte: „Bring doch mal schnell die Taube ins Bett!“ von Mo Willems

„Gut, dass du da bist.“ So beginnt die Geschichte von der Taube, die nur mal schnell ins Bett gebracht werden soll. Schwups ist der Vater verschwunden und gibt die abendliche Aufgabe an den Leser ab. Die Taube stellt natürlich sofort klar, dass sie keineswegs müde ist. Da wird die bekannte Ich-habe-dich-gar-nicht-verstanden-Taktik angewandt, auf einen interessanten Film im Fernsehen und am Ende der süße Hasi vorgeschoben, zu dem man auf gar keinen Fall „Nein“ sagen kann. Das Kind muss also ziemlich ins Zeug legen…

Die Taube versucht den kleinen Leser genau mit den Argumenten zum Aufbleiben zu bewegen, mit denen Erwachsene tagsüber an die Vernunft ihrer Kinder appellieren. Ruckzuck werden hier die Seiten getauscht und die Kleinen haben plötzlich die „Erziehungsverantwortung“ gegenüber der Taube. Die Taube startet zwischenzeitlich sogar gekonnt ein Ablenkungsmanöver und richtet die Aufmerksamkeit mit einem scheinbar ganz zufällig daherkommendem „Wie war dein Tag?“ auf den Leser. Ganz schnell wird so aus einem „Ich bin überhaupt nicht müde!“ ein „Oh! Ich habe eine tolle Idee! Wir könnten Sterne zählen!“.
Kinder können beim Vorlesen am eigenen Leib erfahren, wie es ist, jemand völlig Aufgedrehtes und mit allen Wassern Gewaschenen abends ins Bett zu bewegen. Vielleicht sind sie sogar zwischenzeitlich richtig genervt von der Taube.

Wenn es darum gehen soll, sein Kind am Abend etwas runterkommen zu lassen, dann ist dieses Buch dazu eher nicht geeignet. Vielmehr ist es eine augenzwinkernde Provokation! Die Kinder werden fast schon dazu animiert, sich für den eigenen Ich-will-nicht-ins-Bett-Kampf von der kecken Taube etwas abzuschauen. Nichtsdestotrotz hat die Taube wirklich Charme und selbst Erwachsene müssen beim Einfallsreichtum des kleinen Flattermanns schmunzeln.

Die Illustrationen sind wie alle von Mo Willems: Beruhigend klar und nur auf die sprechenden Figuren reduziert. Trotzdem gelingt es ihm, mit ganz wenigen Strichen eine geniale Palette von Gesichtsausdrücken der Taube zu zaubern: Von flirtend mit den Augen klimpernd über frech bis hin zum Versuch, die Augen krampfhaft offen zu halten.

Fazit trotz der Gefahr, dass das Kind am Ende aufgedrehter ist als vorher: Witzig! Bitte (vor)lesen! Vielleicht sollte man für die wirkliche Gute-Nacht-Geschichte aber noch ein anderes Buch in der Hinterhand haben, das von süßen kleinen Tieren handelt, die am Abend… gaanz… – … zzzzzz… müde werden… und … zzzzz… zzzzz…

Mo Willems Bring doch mal schnell die Taube ins Bett Klett Kinderbuch, ab 3 Jahren, 978-3-95470-150-6

Und wer Mo Willems‘ „Elefant-und Schweinchen“-Bücher noch nicht kennt, der kann sie am besten direkt mit auf die Wunschliste setzen. Mehr dazu unter www.mowillems.de

 

 

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