Da ist der Bär los: „Bären beobachten“ von Michelle Robinson

Ein Kind macht sich auf den Weg in den Wald, um Bären zu beobachten. Ausgerüstet ist es mit dem, was man  zur erfolgreichen Bärenbeobachtung eben so braucht: Mit einem großen Rucksack, einer Tasse, einem Bärenschlüsselanhänger, einer Skimütze, den dazu passenden Fäustlingen und einem Teddy. Aus dem Bären-beobachten-Leitfaden in Form eines Notizbuches, das das Kind dabei hat, weiß es zwar schon, dass es Schwarz- und Braunbären gibt und wie sie aussehen, aber auf die Tatsache, dass echte Bären richtig gefährlich sind, hat es niemand vorbereitet. Und siehe da: Ein echter Schwarzbär lässt nicht lange auf sich warten. Als dann auch noch ein Braunbär des Weges kommt sitzt das Kind in der Falle. Was nun? Wie gut, dass sich im Rucksack jede Menge nützliches Krimskrams befindet! 

Bei der Lektüre des Bilderbuchs muss man laut lachen! Die Ideen zur Abwehr von Bären jeglicher Couleur sind außergewöhnlich und stellen das zu Anfang ziemlich naiv erscheinende Kind in ein anderes Licht. Das Buch bietet insgesamt sehr wenig Text und würde definitiv ohne die Illustrationen (gezeichnet von David Roberts) nicht funktionieren. Sie könnten allenfalls als in sich geschlossene Geschichte für sich allein stehen. Bild und Text sind gemeinsam aber eine gelungene Mischung comicähnlicher Sequenzen und Tierbeschreibungen wie man sie auch in einem Biologiebuch finden würde. Besonders witzig ergänzt werden die sachlich-„wissenschaftlichen“ Erläuterungen von einem im Hintergrund zu erkennenden Millimeterpapier. Wie das Bärenbeobachten in der Realität dann tatsächlich ist, kann aber erst im Laufe der Geschichte in das Bärenbeobachten-Notizbuch aufgenommen werden.

Typografisch passt sich der Text wundervoll und gut durchdacht den jeweiligen Situationen an: Ist die Situation besonders gefährlich, werden die wichtigen Wörter GROß geschrieben und brüllen den Leser an wie der Bär selbst. Wenn es jedoch gilt, ganz leise und aufmerksam vor dem furchteinflößenden Schwarzbären zurückzuweichen, werden die Worte immer kleiner und passen sich den vorsichtigen Bewegungen des Kindes an.

Am Ende hat man ein in der Tat sehr witziges Buch gelesen, stellt aber mit einem Schmunzeln fest, dass man für den Ernstfall nicht wirklich gewappnet wäre. Gelernt haben Groß und Klein jedoch, dass man in schwierigen Situationen immer auf Fantasie und Intuition vertrauen sollte und sich notfalls auch auf unkonventionelle Art und Weise helfen muss.

Michelle Robinson Bären beobachten Gerstenberg, 12,95€